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Jeden den ihr schickt…
Aus der Sicht seines Büros konnte man der Stadt direkt etwas abgewinnen. Gewiss, sie war nicht wie Uland’or, weder so groß, noch so prächtig und die größten Gebäude maßen gerade einmal 100 Meter
Höhe, aber dennoch… Die sauberen Häuserreihen, die kleinen Gärten und die breiten Straßen, auf denen Tiere und Kutschen fuhren, es hatte etwas Beruhigendes, Friedliches.
Trotz des recht niedrigen Technologielevels das herrschte, die Eingeborenen hatten gerade den Verbrennungsmotor entwickelt und schienen gerade an einer Solarstromvariante zu arbeiten, wenn auch
das Ergebnis noch sehr zu wünschen ließ. Dass sie ihre wenige Schwerindustrie ausgelagert hatten, war ein weiterer Beweis für ein sehr eigenartiges Volk, das den Meinungen unserer Generalität
keine Schwierigkeiten bei der Unterwerfung schaffen würde.
Die Stadt war fast beängstigend sauber, ganz im Gegensatz zu den Städten unseres Volkes in dieser Entwicklungsstufe. Damals waren Tausende jährlich gestorben, und dass nur wegen den hygienischen
Bedingungen in der Stadt. Doch hier schien es so was nicht zu geben. Gut ausgebaute Kanalsysteme unter den Städten schienen Pflicht zu sein, genau wie Frischwasser in den besseren Gegenden oder
zumindest Brunnen in jeder Straße oder gar hinter jedem Haus. Wenn man den Geologen und den Mineralogen glauben schenken durfte, und das sollte man wohl können, dann war dieser Planet mehr als
gut gefüllt, was die natürlichen Ressourcen betraf. Seit Jahrhunderten schien man hier keine großmaßstäblichen Vernichtungskriege gegeneinander mehr zu kennen, jedenfalls hatten keine
Aufzeichnungen über so etwas existiert und soweit ich es sagen konnte, war hier Geschichtsfälschung so verpönt wie Unbekannt.
Wir waren nun fast fünf Jahre auf dieser Welt und hatten uns an einigen Stellen mehr oder weniger behaupten und festsetzen können, wenn auch unter nicht unerheblichen Verlusten. Aber alles war
eine Frage der Sichtweise, wie mein alter Lehrmeister es ausgedrückt hätte. Zumindest in meinem Distrikt war es vergleichsweise ruhig, auch wenn der Geheimdienst fast stündlich davor warnte, dass
etwas bevorstand.
Die Eingeborenen schienen wie ein ruhiger See, doch unter der Oberfläche kochte und gärte es. Sie wussten, dass ein offener Aufstand kaum Sinn hatte, denn immerhin hatte ich fast 2000 gut
bewaffnete Soldaten hier stationiert, dazu drei Staffeln Kampfflugzeuge sowie zwei gepanzerte Züge. Womit wollten sie das Angreifen? Mit ihren primitiven Kanonen? Ich gestattete mir ein lächeln
bei der Vorstellung. Es war schlicht und ergreifend die Unfähigkeit einiger Kommandanten, dass sie solche Verluste hinnehmen mussten. Oder sich gar zurückziehen mussten, wie erst kürzlich bei
einer der größeren Städte. Stellenweise wehrten sich die Eingeborenen mit starrsinniger Unermüdlichkeit, griffen wieder und wieder an und schafften es teilweise sogar, die gepanzerten Fahrzeuge
und Infanterieeinheiten zu stoppen. Und einige sogar aufzubringen. Es war verrückt und ehrlich gesagt konnte ich es auch nicht glauben, bis ich selber herkam.
Der Boden begann plötzlich zu erzittern und nur Sekunden später sah ich eine Rauchwolke aus der Stadt aufsteigen. Irgendwo begannen Sirenen zu heulen und ich bemerkte wie die Hektik auf der
Straße plötzlich anstieg. Eine Serie weiterer Explosionen erfolgte, schwächer als die erste, jedoch immer noch stark genug um ein ganzes Haus in Trümmer zu verwandeln. Oder einen
Kontrollposten.
Mein Funksprecher piepte und zeigte auf seinem Display eine Meldung der höchsten Kategorie. Mit einem Tastendruck aktivierte ich es und lies mich in meinen Stuhl fallen, der meinen Echsenleib mit
einem leisen quietschen auffing. „Yorain? Was gibt es?“ Der Unterführer meiner Leibgarde salutierte knapp und machte Meldung: „Mindestens fünf Explosionen in der Stadt mein Herr! Es scheint sich
um eine Koordinierte Aktion zu handeln! Es wurde soeben bestätigt, dass unsere Truppen darin verwickelt sind!“ Anscheinend bekam er gerade die neusten Meldungen, denn er sah kurz zur Seite und
bekam dann eine Folie gereicht. Er überflog sie und ich spürte, wie meiner Geduld eine ernste Probe unterzogen wurde.
Dann räusperte er sich und begann die Zahlen abzulesen. „Mindestens vier gepanzerte Einheiten wurden zerstört, weitere beschädigt. 43 Mann des 129 Iudor wurden getötet, etwa 50 verletzt. Außerdem
gab es einen Anschlag auf die Flugfelder, vier Maschinen sind völlig zerstört, 7 weitere beschädigt und für mindestens eine Woche nicht bereit.“
Ich schlug wütend auf den Kom und beendete das Gespräch. Das war doch unmöglich. Die Anlagen der Flugeinheiten wurden scharf bewacht. Wie konnten diese primitiven Katzenwesen es geschafft haben,
dort Bomben anzubringen?
Mit einem Druck auf meinen Kom stellte ich eine Verbindung zur Garnison her. „Höchste Alarmstufe für alle Einheiten. Ich will die Stadt abgeriegelt haben, ich dulde keinen Aufstand!“
Bevor der Mann antworten konnte, hörte ich über den Kom eine Explosion und das Bild wurde für Sekunden unscharf und von Störungen überlagert, dann sah ich den Mann Blutüberströmt zusammensinken.
Eine Serie weiterer Explosionen erklang von der nahen Stadt herüber, Rauchsäulen leckten in die Höhe und vereinzelt hörte ich nun Waffenfeuer.
Ich begab mich zur Zentrale im Kellergeschoss des Gebäudes und erkannte schon auf den ersten Blick, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Die Wachen am Eingang waren verstärkt worden und
Bombenkommandos suchten nach versteckten Sprengkörpern. Bomben hier im Hauptquartier? Undenkbar. Doch ich verbiss mir einen Kommentar und dachte an den Offizier in der Kom Station in der Stadt,
die nun nur noch ein Trümmerhaufen war. Auf den Bildschirmen erkannte ich auf den ersten Blick Chaos und Zerstörung. Überall in der Stadt hatte es Explosionen gegeben, auf jedem zweiten Schirm
sah ich tote Soldaten meiner Einheit oder Verletzte, die in Deckung gezogen wurden.
Es war ein Aufstand. Aber das würde ich bis zum Abend in den Griff bekommen haben. „Sofort die Einheiten in Marsch setzen. Alle verbliebenen Panzerwagen sofort losschicken. Jeder Widerstand ist
sofort zu zerschlagen!“
„Wir bekommen Meldungen aus dem nördlichen Stadtviertel. Die Bewohner beginnen mit dem Bau von Barrikaden. Drei unserer Checkpoints wurden überrannt, die Mannschaften getötet und entwaffnet. Die
verbliebenen Männer haben sich bis zum Fluss zurückgezogen. Sie melden schwere Verluste.“
Ich biss die Zähne zusammen bis es schmerzte und starrte auf die Karte. Das nördliche Viertel blinkte in einem warnenden Gelbton, kleine rote Kreise zeigten an, dass sich das Gros der dort
stationierten Einheiten zurückzog, hin und wieder erlosch ein Kreis urplötzlich.
Woher hatten sie die Waffen? Das war kein einfacher lokaler Aufstand. Das war lange geplant und gut organisiert.
„Sofort Verbindung zur 16. Division. Wir brauchen hier Unterstützung. Sagen sie dem Oizur, wir brauchen hier mindestens 5000 Mann und Panzerfahrzeuge. Wir brauchen…“ Ich zuckte zusammen und brach
mitten im Satz ab, als das Licht flackerte und von der Ferne eine Explosion erfolgte. Sekunden später hörte ich das heulen von Notstromgeneratoren, die protestierend anliefen. Nach und nach
erhellten sich wieder die meisten der Bildschirme, einige blieben dunkel. Ich schickte ein Stoßgebet zu den Göttern und machte auf dem Absatz kehrt, überlegte es mir dann jedoch anders. Wenn
nicht hier, wo sollte ich die Koordinierung des Niederschlagens des Aufstands koordinieren? Ich ließ mich in einen freien Sessel fallen und beobachtete die Bemühungen meines Stabes, die Sache in
den Griff zu bekommen, doch in jeder Minute die verstrich, spürte ich die Hilflosigkeit stärker in mir aufsteigen.
Etwa eine Stunde später bekam ich durch Melder und über Reservekanäle ein recht genaues Bild der Lage. In den meisten Stadtvierteln wurde gekämpft, meine Einheiten wurden buchstäblich von allen
Seiten unter Feuer genommen. Ob man von einem Vollmantelgeschoss oder einer einfachen Stahlkugel getroffen wurde, war fast egal, denn diese feliden waren gute Schützen und zu oft trafen sie ins
ungeschützte Gesicht, wo keine Panzerschutzweste die Soldaten schützen konnte. Splittergranaten oder primitive Fallen mit Stacheln und scharfen Klingen taten ihr übriges. Ganze Häuserzüge waren
reine Fallennetzwerke und wenn Einheiten dort eindrangen waren sie mit primitiven wie tödlichen Fallen konfrontiert, auf die kein Bombendetektor anschlug. Die Verwundeten in den Lazaretten, die
sich so schnell wie noch nie füllten, sprachen ein grausames Bild davon.
Gegen Abend bekam ich dann Nachricht, dass 2000 Mann der 16. Division eingetroffen waren. Wütend schrie ich den Offizier an, dass ich mehr als das doppelte verlangt hatte. Doch dieser zuckte nur
mit der Schulter und berührte sachte seinen Schulterverband. Die Eingeborenen griffen auf breiter Front an. Bevorzugt Offiziere, wie er mit einem grimmigen Lächeln hinzufügte. Ein Pfeil hatte ihn
getroffen und den Arm durchbohrt. Zu seinem Glück hatte ihn eine Schutzweste abgelenkt, sonst wäre er jetzt tot.
Ein Pfeil – wenn es nicht so gefährlich gewesen wäre, hätte ich darüber gelacht. Doch die feindlichen Attentäter, die bevorzugt Offiziere töteten, benutzten derartige primitive Waffen mit
vorliebe.
„Ihre Befehle Herr?“ Der Offizier wirkte müde, aber tatendurstig.
„Bringen sie die Stadt zur Ruhe. Egal wie. Jeder Einheimische mit einer Waffe in der Hand ist zu erschießen. Kämpfen sie sich von mir aus Straße für Straße vor.“
Der Offizier salutierte und ich wusste, was er dachte. Die Einheimischen waren wahre Meister des Nahkampfs. Ob mit Schwert, Dolch oder einer ihrer zahlreichen Klingenwaffen, ein Häuserkampf würde
viele, sehr viele unserer Soldaten das Leben kosten. Doch es musste sein. Wir durften die Stadt nicht verlieren, sie war Schlüsselpunkt zu einigen der wichtigsten Bergwerke und
Erzverarbeitungsfabriken, die unsere eigenen Nachschubeinrichtungen auf dem Planeten versorgten, da der Transport von der Heimat bis hierher viel zu lange dauerte.
Weitere Meldungen trafen ein. Die Jinari hatten mehrere Waffenlager gestürmt und sich bewaffnet. Nur wenige Minuten später trafen die ersten Meldungen von Verlusten durch eigene Waffen ein. Sie
lernten schnell, verdammt schnell.
Plötzlich, ein Alarm der den Raum in ein düsteres Blau tauchte. „Eindringlingsalarm. Achtung Eindringlingsalarm,“ erschallte eine nüchterne Stimme von der Decke.
Ich fuhr hoch als die Tür zischend aufging. Doch es waren nur vier Wachsoldaten in voller Ausrüstung, die nun neben der Tür Aufstellung nahmen, die sich nun wieder zischend schloss.
„Meldung!“ bellte ich einen Offizier an, der zusammenzuckte und per Funk einen Statusbericht verlangte.
„Mehrere unserer Wachmänner wurden tot aufgefunden,“ meldete er und lies einen Lageplan des Gebäudes auf seinem Schirm entstehen. Mehrere Punkte zeigten mir an, wo meine Männer getötet worden
waren. Eine Kommandoeinheit der Eingeborenen? Das war Selbstmord, hier in diesem Bunker hatten sie keine Chance, hier konnten sie sich nicht verstecken.
„Schicken sie eine Sicherheitseinheit in diesen Sektor und riegeln sie das Gebiet ab.“ Ich war fast etwas erleichtert, dass es sich nur darum handelte und kein Bombenangriff ihrer primitiven wie
gemeinen Luftwaffe. Ihre Propellermaschinen tauchten erst kurz vor dem Ziel auf dem Radar auf, sie enthielten einfach zu wenig Metall, auf dass unsere Scanner im Normalfall reagierten. Sie waren
zwar keine wirkliche Gefahr und schnell zu zerstören, doch meist trugen sie noch Bomben und Sprengkörper an der Maschine, die sie abwarfen und allzu oft schien das Schicksal die Bomben zu lenken.
Sie waren ein interessantes Volk, zugegeben. Aber wir mussten sie besiegen. Entweder sie oder wir. Wir brauchten die Ressourcen ihrer Welt und vor allem Nahrungsmittel und andere Güter.
Irgendwann würden unsere Nachkommen uns vielleicht dafür verdammen, aber es war eine Frage des Überlebens. Und der Ehre. Denn sie waren gute Kämpfer und lieferten uns einen harten wenn auch auf
lange Sicht aussichtslosen Kampf.
„Sicherheitseinheit Sieben meldet Kontakt zu einem Eindringling.“ Ich fuhr hoch und sah den Mann erwartungsvoll an. „Vollzugsmeldung!“ herrschte ich ihn an.
„Einheit Sieben, Meldung. Hier Zentrale, Meldung Einheit Sieben!“ Die einzige Antwort bestand aus einem knacken, als wäre jemand auf das Headset des Truppführers getreten, dann erfüllte Rauschen
den Äther.
Ich schluckte unmerklich. „Sofort weitere Einheiten in Marsch setzen. Das gefällt mir nicht und ich will diesen Eindringling haben.“
Ein einziges Individuum hatte einen fünf Mann Trupp der Garde ausgeschaltet? Lachhaft. Aber dennoch, der Funkkontakt war weg und lies sich nicht wieder aufbauen. Der Funkoffizier meldete, dass
weitere Einheiten nun in Reichweite waren und die Stockwerke durchkämmen würden.
Eine Minute passierte gar nichts, bis auf die regelmäßigen Vollzugsmeldungen der drei Einheiten, die Raum für Raum des Stockwerks durchkämmten. Mit einer Handbewegung legte der Funker die Meldung
auf den Lautsprecher. „Hier Einheit Drei. Wir haben Kontakt zu einem einzelnen Individuum.“
Der stoische Bericht wurde durch einen hektischen Fluch und Waffenfeuer unterbrochen, gefolgt von einem Schrei und einem gurgelnden Husten und einem nach Atem ringenden Mann. „Verdammt, was zur…“
Das poltern von Waffen und einem reißenden Geräusch lies mich zusammenzucken, wieder ein dumpfer Schlag und urplötzlich brach das Waffenfeuer ab. Der Funker reagierte und gab sofort Meldung an
die anderen beiden Trupps.
Er drehte sich halb zu mir um, während er kurz Befehle zischte. „Trupp zwölf meldet sich ebenfalls nicht. Trupp Zwei rückt nun vor. Weitere Einheiten sind auf dem Weg.“
Drei Einheiten der Garde waren bereits ausgeschaltet. Ich versuchte krampfhaft in meinem Gedächtnis nach einer Erklärung zu suchen. Ja, da war etwas, ich hatte einen Bericht gelesen, in dem es um
die Einschätzung der Einheimischen Spezialkräfte ging. Wie nannten sie sich? Kelodari? Eine mythenumrankte Gruppe von Einzelkämpfern, deren Existenz nicht mal bewiesen werden konnte. Bisher hatte
ich es nur für eine Legende gehalten, doch langsam hatte ich das Gefühl, dass diese Legende einen wahren Kern enthielt.
Erneut kam die Meldung von Gefechten auf der vierten Ebene. Ganz leise hörte ich über mir das Feuern von Gewehren und das Bellen von Pistolen. „Kameras in diesem Sektor anschalten. Notstrom
umleiten!“
Ich blickte auf den erwachenden Schirm und sah tatsächlich eine Gestalt, die mit zwei Trupps der Wacheinheiten kämpfte. Anstatt sich ein Feuergefecht mit ihnen zu liefern, war sie jedoch zwischen
ihnen und verhinderte so, dass sie mit Kugeln eingedeckt werden konnte. Die Männer kämpften tapfer, doch gegen den Kampfstil des Eindringlings wirkten sie wie grüne Rekruten. Und das waren
Einheiten der Garde, keine Anfänger. Sie gehörten zu unseren besten Kämpfern, die vor allem Kommandostationen beschützten.
Es war, als läge ein Fluch auf den Männern, der sie verlangsamte oder gar in der Zeit einfror. Sie wirkten wie Puppen, ja Marionetten oder Sandsäcke, die sich verprügeln ließen. Doch das war kein
Training, es war tödlicher ernst. Die Bewegungen des Angreifers waren so schnell und fließend, dass man selbst mit Mühe keine einzelnen Bewegungen klar voneinander trennen konnte. Und die beiden
Dolchartigen Klingen schienen wie aus den Armen gewachsen. Es war ein rasender Tanz des Todes und die Männer des Sicherheitspersonals waren die Statisten. Sie fielen nacheinander um, ganz so als
hätte jemand einen Schalter umgelegt. Dann, plötzlich drehte sich die Gestalt um, fixierte die Kamera und für einen Moment fixierten zwei Katzenaugen die Kamera. Etwas flog auf die Kamera zu und
die Linse zerbarst, dann erlosch das Bild.
Der Kommandant setzte sich und sah erst auf, als ihn jemand zum wiederholten Male laut ansprach. „Wir haben soeben Kontakt zu weiteren Einheiten verloren. Der Gegner rückt auf die 2 Ebene
vor.“
Bilder huschten auf den Bildschirmen vorbei, weitere Kameras fielen aus, andere zeigten leere Korridore oder still liegende Wachmänner. Einige bluteten, andere wirkten, als würden sie
schlafen.
Ich wusste, meine Männer taten was sie konnten. Doch selbst verschlossene Türen hielten sie nicht auf. Fingerabdruckscanner umging sie, indem er die Hände der gefallenen abschnitt. Es war
unglaubhaft. Welle um Welle meiner Männer griff an, feuerten aus allen Rohren und doch schien es, als sei sie ein Geist.
Der Nahbereichsalarm riss mich aus den Gedanken und ich sah herumeilende Soldaten, andere bewaffneten sich eilig. Dumpf erfolgte eine Explosion, gar nicht weit entfernt. Mit einem Griff zog ich
meine Offizierspistole aus dem Halfter und überprüfte das Magazin. Es würde nichts ändern, wenn sie hier alle töten würde. Wir würden gewinnen. Weitere Einheiten waren auf dem Weg, die nächste
Welle der Invasion war in wenigen Wochen hier. Der Kampf würde noch viele Opfer kosten, doch am Ende würden wir gewinnen. So jedenfalls dachte ich damals.
Langsam, wie in Zeitlupe, sah ich, wie die Tür aus den Angeln gehoben wurde und einen meiner Männer erschlug. Rauchbomben und Blendgranaten folgten, ungezieltes Waffenfeuer erklang und dazwischen
die Todesschreie meiner Männer. Ich legte an und zielte sorgsam, während meine Männer fielen, als hätte sie der Schlag getroffen. In den Sekunden, in denen ich dem Treiben atemlos zusah, fielen
drei meiner Männer, endlich riss ich mich los und schoss. Ich sah die Gestalt zucken und nach hinten fallen. Mein Adjutant feuerte ebenfalls, die Gestalt wurde von Treffern erschüttert und sank
nach hinten. Zischend stieß ich Luft aus. Ich lebte noch. Ich lachte, während um mich herum der Tod gewütet hatte.
Doch das Lachen gefror, als die Gestalt sich aufrichtete und sich wieder erhob, als würde ein unsichtbarer Puppenspieler sie erneut auf die Beine ziehen. Der Kopf der nach hinten gebeugt war und
die Augen, die nach oben gerichtet waren, sahen mich direkt an und ich erkannte ein grimmiges Lächeln in dem Gesicht der Feliden. Mit einer fließenden Bewegung sah ich eine ganze Reihe von
Wurfnadeln aufblitzen und sich ihren Weg suchen. Zwei Nadeln trafen meinen Nebenmann in den Augen und er fiel wort- und lautlos in sich zusammen.
Ich stand auf und warf die Waffe zur Seite. Um mich herum herrschte der Tot, außer mir und dem Gegner lebte niemand mehr. Grimmig lächelte ich sie an und sah ihr in die Augen. Die Gestalt wirkte
gestrafft und doch so dunkel und unheimlich, wie ich es in meiner langen Laufbahn noch nie gesehen hatte. Es war ganz so, als würden die Totengötter über sie wachen und ihr beistehen. Versteht
mich nicht falsch Exzellenz. Ich billige die Taten nicht, keineswegs. Aber doch muss ich fragen, wer, wenn nicht die Götter des Vergehens selbst, können so ein Wesen beauftragen, ihr Werk zu
tun?
Trotz all unserer modernen Waffen und Technologien konnten wir sie nicht aufhalten. An diesem Tag fielen über 90 meiner Männer in diesem Gebäude. Sie hatte nichts weiter als ein Schwert, zwei
Messerartige Waffen und ein Arsenal an primitiven Wurfwaffen und einige Rauch und Blendbomben.
Versteht ihr? Wenn sie es schaffen, uns mit solchen primitiven Waffen aufzuhalten, was machen wir, wenn sie lernen, unsere Waffen zu verstehen und nachzubauen? Nur Tage später erfuhr ich von
einer Panzerschlacht in der Nähe einer weiten Ebene. Mit einer Handvoll ihrer von uns kopierten und ihren Bedürfnissen angepassten Panzer und einigen Truppen ihrer Gebirgskämpfer vernichteten sie
einen ganzen Panzerzug. Ich sehe, Exzellenz sind unwillig dies zu glauben. Und doch es ist alles wahr, so wahr ich hier stehe und noch atme.
Wieso ich atme? So lasst mich euch die Worte der Kelodari verkünden. Sie sagte zu mir:
„Hört was wir euch zu sagen haben. Jeden den ihr schickt werden wir töten. Diese Welt wird sich in euer Grab verwandeln. Denn wir sind von den Göttern auserwählt. Ihr seid die, mit denen wir uns
zu den Sternen aufschwingen werden und ihr werdet uns nicht aufhalten und nicht besiegen. Für jeden von uns den ihr tötet, nehmen zehn seinen Platz ein. Ihr könnt nicht gewinnen, denn es ist
unsere heilige Pflicht, euch zu vernichten. Wir sind Jinari und dies ist unsere Welt und wir werden sie verteidigen, wenn es sein muss bis zum letzten Krieger, bis zur letzten Patrone und bis zum
letzen Dolch. Und wenn wir keine Kugeln mehr haben, werden wir mit den Schwertern kämpfen, und dann mit den Messern, Stöcken und den bloßen Händen.
Denn die Götter haben uns auserwählt unseren Mut, unsere Ehre und unsere Hoffnung in die Unendlichkeit zu tragen. So kehre heim und berichte deinen Führen hier von. Schickt mehr und wir werden
sie töten. Egal wie viele kommen. Also schickt niemanden mehr, oder zahlt mit dem Blut eurer Söhne.
Ich sehe die Besorgnis in euren Zügen Exzellenz. Ja, ihr wünscht, dass ich gehe. Sehr wohl. Und lasst mich als letztes anmerken, dass euch die Götter beschützen mögen. Und euren Sohn, der auf dem
Weg zu dieser verfluchten Welt ist, um sie in eurem Namen zu erobern. Mögen die Götter über ihn wachen und dafür sorgen, dass sich seine Wege nie mit denen einer Kelodari kreuzen…
Ende
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